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Kommende Events

24.–26. Juni 2026

Jura Soyfer Saal

Bürographien

Zur Archäologie der Verwaltung

Hofburg Batthyanystiege, 1010 Wien

Die Tagung wird von der Universität Wien in wissenschaftlicher Kooperation mit der Universität Basel, der Universität Köln und der Zeppelin-Universität Friedrichshafen veranstaltet.

Seitdem man von „Bürokratien“ spricht, kritisiert man sie als umständlich, anmaßend oder intransparent. Doch sind Verwaltungen nicht einfach ein Übel, dem es ein für allemal abzuhelfen gilt: Bürokratien stellen behördliche Instanzen dar, deren Bescheiden staatsweit Verbindlichkeit zukommt und deren Entscheidungen aufgrund einer besonderen Rationalität zustande kommen: auf Basis eines komplexen paperwork von Notizen, Protokollen oder Akten. Fordert man Reformen staatlicher Verwaltungen unter dem Banner von „Entbürokratisierung“, Verschlankung und höherer Effizienz, unterschlägt dies zumeist eins: Zur Kehrseite hat das Schrumpfen öffentlicher Administrationen fast immer die Proliferation ihrer Verwaltungsprozeduren über die staatlichen Grenzen hinaus. Derlei Verwaltungspraktiken, die vormals im hoheitlichen Auftrag noch Beamten übertragen waren, heute aber mehr und mehr in die Hände externer ‚Experten‘ und sich selbstverwaltender Bürger gelangen, bezeichnen wir als „Bürographien“. Ihre Verbreitung hat im Sozialen allgemein und im Privaten besonders zu einem Schub an Kontrolle und Mikromanagement geführt. Das WEAVE-Projekt, das die Verwaltungskulturen von Österreich, der Schweiz und der BRD untersucht, dreht sich also letztlich um ein Paradox: Die Zähmung „bürokratischer“ Routinen mündet in die Wucherung „bürographischer“ Verfahren auf politischer und technischer, alltäglicher und ästhetischer Ebene.

Unter diesen Vorzeichen widmet sich die Tagung vier Themenkomplexen, die zugleich die Schwerpunkte der einzelnen Teilprojekte der „Bürographien“ widerspiegeln und Phänomene im Zeitraum von 1900 bis 2000 – also von 100 Jahren Bürokratie – in den Blick nehmen.

Die Tagung ist in vier Sektionen gegliedert: Sektion 1 Verwaltungskultur. Stilistik des Akten- und Parteienverkehrs // Sektion 2 Organisationsforschung. Organisation als Systemebene der Gesellschaft // Sektion 3 Narrating the Office: Praxeologische und soziologische Perspektiven auf Büroromane // Sektion 4 Diskrete Informationsmaschinen: Geheimdienstliche Datenverarbeitung in der Schweiz.

Programm

Mittwoch, 24. Juni 2026

10.00 Begrüßung und generelle Einführung

Sektion 1. Verwaltungskultur: Stilistik des Akten- und Parteienverkehrs

10.15 – 10.30 Sektionseinführung: Burkhardt Wolf

10.30 – 11.30 Christoph Bartmann (Hamburg, eh. Goethe-Institut): „Leben im Büro“ revisited. Nachbetrachtungen zu Bürokratie und Bürographie / Moderation: Burkhardt Wolf

12.00 – 13.00 Alexander R. Galloway (NYU): The Diagonal, An Organizational Technology / Moderation: Maximilian Scheffold

14.30 – 15.30 Niklaus Largier (University of California, Berkeley): Bureaugraphien der Seele: Die Formalistik des Begehrens bei Ignatius von Loyola, Krafft-Ebing, und Artaud / Moderation: Kira Kaufmann

15.30 – 16.30 Pascale Cancik (Universität Osnabrück): „Ein Kreis, aus dem man nicht herausspringt“? Die Schaffung von „Bürokratie“ durch Entbürokratisierung / Moderation: Burkhardt Wolf

Sektion 2. Organisationsforschung: Organisation als Systemebene der Gesellschaft

17.00 – 17.15 Sektionseinführung: Maren Lehmann

17.15 – 18.15 Julian Müller (Universität Hamburg): Amt | Person | Mensch. Das Amt als Ressource und Zumutung / Moderation: Yannick Allgeier

Donnerstag, 25. Juni 2026

Sektion 3. Narrating the Office: Praxeologische und soziologische Perspektiven auf Büroromane

10.00 – 10.15 Sektionseinführung: Nicolas Pethes

10.15 – 11.15 Lisa Gitelman (NYU): Selling the Mailroom / Moderation: Nico Pethes

11.30 – 12.30 James Dorson (FU Berlin): The Office Novel in the Age of Projects / Moderation: Nicolas Pethes

14.00 – 15.00 Daniel Jenkin-Smith (University of Wales Trinity Saint David): The Nineteenth-Century Office Novel and the Problem of Agency / Moderation: Livia Kleinwächter

15.00 – 16.00 Juan S. Guse (KHM Köln): Alienating the alienated: Office workers in contemporary prose / Moderation: Livia Kleinwächter

16.30 – 17.30 Malika Maskarinec (Universität Bern): Paperless: Immigration Bureaucracies of Contemporary Literature / Moderation: Markus Krajewski

Freitag, 26. Juni 2026

Sektion 4. Diskrete Informationsmaschinen: Geheimdienstliche Datenverarbeitung in der Schweiz

10.00 – 10.15 Sektionseinführung: Markus Krajewski

10.15 – 11.15 Lucas Gisi (Université de Neuchâtel): Wie aus einer Fiche Literatur wird: Daniel de Roulets ‚Double‘ / Moderation: Markus Krajewski

11.30 – 12.30 Andrew Whelan (University of Wollongong): Antisocial machines: Entbürokratisierung under DOGE / Moderation: Eliseo Galli

Unter Diskussionsbeteiligung und Anwesenheit nationaler und internationaler Projektbeteiligter: Peter Plener, Austrian School of Government (Bundeskanzleramt) / Peter Becker, Universität Wien / Stephan Kurz, Österreichische Akademie der Wissenschaften

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